Nein, es war wirklich kein gutes Jahr für den Hof Chaoti und seine Bewohner. Zwar haben wir es dieses Jahr endlich geschafft, aus dem Hof einen eingetragenen, gemeinnützigen Verein zu machen, aber das war auch wirklich die einzige gute Nachricht.
Ansonsten reichte sich eine Katastrophe an die Andere. Der Tod war viel zu oft bei uns Gast. Sicher, auf einem Gnadenhof wie unserem Hof leben viele alte Tiere und da gehört es einfach zum Leben, Abschied zu nehmen. Aber dieses Jahr hörte es einfach nicht auf. Kaum hatten wir einen Abschied halbwegs verkraftet, mussten wir uns wieder verabschieden. Aber nicht das Abschiednehmen war das Schlimmste, sondern der sinnlose Tod unserer kleinen Hündin Bibi. Sie wurde von einem Menschen, dem sie nichts getan hat, hinterrücks auf unserem Hof angeschossen und verstarb trotz Notoperation an diesen schweren Verletzungen. Was uns allen dabei am meisten zu schaffen machte, war der Gedanken, versagt zu haben. Die kleine Hündin im Stich gelassen zu haben, den wir konnten sie hier, in ihrem eigenen Zuhause, nicht schützen. Dabei war sie die Ängstlichste, die am meisten unter der Härte der Menschen leiden musste.
Dieser Mensch hätte es fast geschafft, den Hof Chaoti zu verstören. Er hat es geschafft, Zweifel an dem zu wecken, was bisher das Wichtigste in meinen Leben war, die Arbeit für die Tiere. Mir selber stellte sich die Frage, ist es richtig, jedes Tier soweit an einen heran zu lassen, es von ganzen Herzen zu lieben . Wäre es für Mensch und Tier nicht besser, eine gewisse Distanz zwischen einen zu lassen, alles mehr als Verwalter der Tiere zu sehen und nicht als Beschützer. Aber dann wäre es hier nicht mehr der Hof Chaoti, sondern ein normales Tierheim. Aber es gab etwas, was dieser Mensch wohl nicht kannte, es gab Freunde, es gab Menschen, die einen in den Arm genommen haben, die Verständnis für den seelischen Schmerz zeigten, die die richtigen Worte fanden, uns allen wieder Mut zu machen, unsere Arbeit hier weiter zu machen. Diesen Freunden, diesen oft wildfremden Menschen kann ich selber nicht genug danken, das sie einfach für mich und alle Helfer da waren.
Aber es gab nicht nur Abschiede, es gab dieses Jahr einfach zu oft auch das Willkommen. Wir wurden dieses Jahr mit Tieren einfach überhäuft. In so einer Form haben wir das in all den Jahren noch nicht erlebt. Neben Anfragen um die Aufnahme von Hunden und Pferden gab es unheimlich viele Hilferufe wegen Katzen. Leider nicht nur wegen Katzenkindern, nein, es gab unheimlich viele Anfrage wegen Katzen, die einfach ausgesetzt wurden und von Tierlieben Menschen gefüttert wurden. Dies aber auf Dauer nicht fortsetzten konnten. Wir haben oft Nein sagen müssen, aber auch oft mit schweren Herzen auch Ja gesagt. So zum Beispiel bei dem alten Kater Cismo, der bei einer Zwangsräumung des Wohnung einfach vor die Tür gesetzt wurde.
Ein neues Zuhause konnten wir nur für sehr wenige Tiere finden. Aber für diese Tiere freuen wir uns sehr, das sie jetzt richtig verwöhnt werden können, was bei uns leider nicht immer der Fall ist, da auch wir mit starken finanziellen Problemen kämpfen müssen. Es ist ein Wahnsinn, was alleine der Unterhalt und die medizinische Versorgung der sechzig Katzen kostet, die derzeit bei uns leben.
Diese Jahr ging allen an die Substanz. Die Helfer gingen bis an ihre Grenzen und darüber hinaus, um mir zu helfen, den Hof zu halten und alle Tiere liebevoll zu versorgen. Dafür kann ich ihnen nicht genug danken.
Ehrlich gesagt habe ich Angst vor dem nächsten Jahr. Ich kann einfach nicht glauben, das es wieder besser werden wird.
Regina Berner
Solange Menschen denken, das Tiere nicht fühlen, solange müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.