Stumme Bitten -Über das alltägliche Schicksal der Schafe-
Die Schafherde drängte sich aufgeregt zusammen.
Ein altes Schaf erzählte.
"Meine Großmutter hat es selbst gesehen", sagte es, "es ist etwas Fabelhaftes, Grauenvolles. Man weiß nicht, was es ist. Sie sah auch nicht alles. Sie kam dran vorüber, als sie zur Weide ging. Es war ein Tor, das in einen dunklen Raum führte. Es roch nach Blut am Tor des dunklen Raumes. Zu sehen war nichts. Aber sie hörte den Schrei eines Hammels darin, einen grässlichen Schrei. Da lief sie zitternd zur Herde zurück."Alles schauderte.
"Man weiß nichts Gewisses", sagte das Schaf, "aber es muss etwas Wahres daran sein. Jedenfalls ist es furchtbar."
"Deine Großmutter lebt nicht mehr?" fragte ein junger Hammel.
"Ich weiß es nicht", sagte das Schaf, "es ist schon lange her - da wurde sie abgeholt."
"Das soll der Anfang sein, man kommt dann nie wieder", sagten einige.
Der Schäferhund bellte kläffend und trieb die Herde dem anderen Ende der Weide zu.
Da stand der Schäfer und sprach mit einem fremden Mann, der nicht aussah wie ein Hirt. Sie handelten miteinander. Dann ging der fremde Mann mit festen Schritten in die Herde hinein und prüfte die einzelnen Stücke mit kundigen Augen. Es waren nicht die Augen eines Hirten. Jetzt griff seine Hand nach dem jungen Hammel, der vorhin gefragt hatte. Das Tier überlief es kalt. Die Hand fühlte sich anders an als die Hand des Hirten.
Der Hammel bekam eine Leine um den Hals.
"Den nehme ich", sagte der Mann und zog einen schmutzigen Beutel mit Geld aus der Tasche. Er bezahlte. Das lebendige Leben gehörte ihm. Er hatte es gekauft.
Er ergriff die Leine und zerrte den Hammel von der Weide fort auf die Landstraße. Die Herde sah dem Davongehenden erschrocken und verständnislos nach. Der Hammel wandte den Kopf. Seine Augen suchten die Verwandten und Spielgenossen. Etwas in ihm krampfte sich zusammen - etwas in ihm rief ihm zu, sich loszureißen und zurückzulaufen.
Das ist der Anfang, man wird abgeholt, dachte er. Aber er wehrte sich nicht. Er war hilflos. Was hätte es genützt?
"Es braucht ja nicht das Schreckliche zu sein", tröstete er sich, "es gibt noch andere Weiden. Dahin werde ich vielleicht geführt."
Es war das Vertrauen, das Tiere haben, die zahm gehalten worden sind.
Jetzt bogen sie um die Ecke. Die Herde war nicht mehr zu sehen. Die Weide verschwand. Nur von ferne hörte man den Schäferhund bellen und die Töne der Hundepfeife. Der Wind verwehte sie.
Es war ein weiter Weg. Der fremde Mann ging schnell. Er hatte es eilig.
"Ich bin müde, ich möchte mich etwas erholen", bat der Hammel.
Es war eine stumme Bitte.
Sie gingen weiter. Es war heiß und staubig.
"Ich bitte um etwas Wasser", sagte die Hammel.
Es war eine stumme Bitte.
Endlich kamen sie in eine kleine Stadt. Sie gingen durch enge krumme Straßen, in denen es keine Weiden gab. Diese Hoffnung hatte sich nicht erfüllt.
Sie hielten vor einem Tore, das in einen dunklen Raum führte. Ein hässlicher Dunst schlug dem Tier entgegen. Der Hammel wandte den Kopf und blökte klagend. Er scheute vor dem Dunst zurück und vor dem dunklen Eingang. Eine Angst wurde in ihm wach, im Unterbewusstsein, eine grenzenlose Angst.
"Ich möchte nach Hause", sagte der Hammel und sah den Mann an.
Es war eine stumme Bitte. Stumme Bitten werden nicht gehört.
Der Mann schlang die Leine mit einem geschickten Griff um die Hinterbeine des Tieres und zog es vorwärts. Die Schnur schnitt ein.
"Ja, ja, ich komme schon", sagte der Hammel erschrocken. Die müden steifen Beine beeilten sich.
Es waren nur wenige Augenblicke, aber sie schienen sehr lang. Dann war er in einem dunklen Raum.
Es roch erstickend nach Blut und Abfällen - nach Leichen von seinesgleichen.
Man hält es nicht für nötig, das vorher fortzuschaffen. Es ist ja nur Vieh - Schlachtvieh.
Da packte den Hammel ein hilfloses, lähmendes Entsetzen. Ein Entsetzen, das alle stumme Bitten vorher vergessen ließ. Ein Entsetzen, das ganz allein herrschte.
Der Hammel zitterte am ganzen Körper.Jetzt kommt das Fabelhafte - das Grauen, dachte er. Und es kam. ----
Die Welt ist voll von stummen Bitten, die nicht gehört werden. Es sind Menschen, die sie nicht hören. Es scheint unmöglich, diese stummen Bitten zu zählen. So viele sind es. Aber sie werden alle gezählt. Sie werden gebucht im Buche des Lebens.
Groß und fragend sehen die Augen des Gautama Buddha auf die europäische Kultur.
Aus: "Das Manfred Kyber Buch"
Die Spuren im Sand
Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Schutzengel. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Engels.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorüber gezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Engel: Engel, als ich anfing, an dich zu glauben, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?"
Da antwortete er: "Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen."
Quelle: Margaret Fishback Powers
Der Seestern
Als der alte Mann bei Sonnenuntergang den Strand entlang ging, sah er vor sich einen jungen Mann, der Seesterne aufhob und ins Meer warf. Nachdem er ihn schließlich eingeholt hatte, fragte er ihn, warum er das denn tue. Die Antwort war, dass die gestrandeten Seesterne sterben würden, wenn sie bis Sonnenaufgang hier liegen bleiben.
"Aber der Strand ist viele, viele Kilometer lang und Tausende von Seesterne liegen hier,“ erwiderte der Alte. „ Was macht es also für einen Unterschied, wenn Du Dich abmühst?“
Der junge Mann blickte auf den Seestern in seiner Hand und warf ihn in die rettenden Wellen. Dann meinte er:
„Für diesen hier macht es einen Unterschied!“
Autor unbekannt
Danke
Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben; Sie haben meine Phantasie beflügelt.
Ich danke allen, die mich in ihr Schema pressen wollten; Sie haben mich den Wert der Freiheit gelehrt..
Ich danke allen, die mich belogen haben; Sie haben mir die Kraft der Wahrheit gezeigt.
Ich danke allen, die nicht an mich geglaubt haben Sie haben mir zugemutet, Berge zu versetzen.
Ich danke allen, die mich abgeschrieben haben; Sie haben meinen Mut geweckt..
Ich danke allen, die mich verlassen haben; Sie haben mir Raum gegeben für Neues.
Ich danke allen, die mich verraten und missbraucht haben; Sie haben mich wachsam werden lassen.
Ich danke allen, die mich verletzt haben; Sie haben mich gelehrt, im Schmerz zu wachsen.
Ich danke allen, die meinen Frieden gestört haben. Sie haben mich stark gemacht, dafür einzutreten..
Vor allem aber danke ich all jenen, die mich lieben, so wie ich bin; Sie geben mir die Kraft zum Leben!
Danke.
[Paul Coelho]
Solange Menschen denken, das Tiere nicht fühlen, solange müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.