Mein Christkind

 

 

Diese Geschichte hat sich vor vielen Jahren zugetragen. Da wohnte ich noch in einer großen Stadt, gemeinsam mit meinem Hund Joppy und meinen zwei Katern Johnny und Flitze.

 

Ich liebte die Weihnachtszeit, aber besonders den Heiligen Abend. Nicht, weil es dann Geschenke gab, sondern ich liebte die Ruhe, die sich über die Stadt legte und alles so friedlich schien.

 

Das besondere an diesem Abend war für mich der Spaziergang mit meinem Hund Joppy, wenn fast alle Menschen daheim mit ihrer Familie unter dem Weihnachtsbaum saßen. Man konnte bei den Menschen in die festlich geschmückten Zimmer schauen und hörte durch die Fenster die angestimmten Weihnachtslieder, den da sang man oft noch selber. An den Bäumen brannten die Kerzen und es war einfach eine besondere Stimmung.

 

Aber mitten in diese festliche, besinnliche Stimmung hinein erklang plötzlich ein klägliches Miauen und Joppy stürmte auf ein Mietshaus zu und blieb vor einem Kellerfenster sitzen. Vor dem Kellerfenster war ein tiefer Schacht, der wohl mal mit einem Gitter gesichert war. Jetzt war das Gitter weg und in diesem Schacht saß eine kleine, total verängstigte grau getigerte Katze. Sie konnte nicht so hoch springen und saß wohl schon länger in ihrem Gefängnis fest. Mein Arm reichte nicht bis zu ihr runter und sie rief immer verzweifelter um Hilfe. Zum Glück hatte ich einen langen Schal um den Hals und mit Hilfe dieses Schals konnte ich nach langer Überzeugungsarbeit, die kleine Katze aus dem Schacht ziehen.

 

Als wüsste die Katze um die Besonderheit des Abend, ging sie schnurstracks auf meinen Hund zu und schnurrte ihm um die Beine und kam dann zu mir, um sich bei mir einige Streicheleinheiten abzuholen. Sie bekam sie auch von mir und dann setzte ich sie wieder auf den Boden und sagte ihr, sie solle jetzt schnellstens nach Hause gehen und machte mich auf den Heimweg. Aber ich ging nicht alleine. Neben Joppy lief, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, die kleine Katze nebenher. Es war so, als gehörten wir schon immer zusammen und so gingen wir drei nebeneinander in dieser Heiligen Nacht nach Hause. Dort machte sich das kleine Christkind erst mal über eine große Portion Futter her und suchte sich dann neben Joppy einen Schlafplatz. Selbst die beiden Kater Johnny und Flitze waren so überrascht über diese Bescherung, das sie noch nicht mal knurrten und den Neuzugang als Gegeben hinnahmen.

 

Übrigens, da niemand das kleine Christkind vermisste, durfte sie bei uns bleiben und blieb Joppys beste Freundin.

 

Regina Berner

 

 

 

 

 

foto c.kanthack